Der Titel des Reliefs im Moabiter Fritz-Schloss-Park erinnert daran, dass es sich bei dem Parkhügel um einen Trümmerberg handelt, wenngleich die Inschrift – „Den Notstandsarbeitern zum Dank“ – auf dem immer mehr verwitternden Stein schwer zu lesen ist. Das Jugendzentrum an der nahegelegenen Rathenower Straße 15-18, ein Gebäudekomplex aus den siebziger Jahren mit Hochhaus, Flachbau, Gartenanlage und Garagenplateau, könnte bald Trümmer beisteuern. Der Abriss droht. Im Februar werden auf dem Gelände schon die Bäume gefällt, und im Dezember lobpreist der Kritiker Nikolaus Bernau im RBB, es handele sich bei dem Haus um „britische Architektur auf allerhöchstem Niveau“. Eine Art Ritterschlag. Hat Berlin trotzdem bald ein brutalistisches Bauwerk weniger? Da liegen andere aus der Stilrichtung besser im Rennen. Das Hygiene-Institut der Charité in Steglitz stellt das Landesdenkmalamt im Januar unter Denkmalschutz. Und für den aufsehenerregenden „Mäusebunker“, ebenfalls in Steglitz, für dessen Rettung auf Change.org mittlerweile mehr als 9.700 mal unterzeichnet wurde, hat Landeskonservator Christoph Rauhut ein Modellvorhaben eingeleitet. Die Initiative des ehemaligen Tierlaboratoriums verweist infolge des Besucherinteresses mit der Tonalität eines Hilferufs auf die Charité: „Der Zugang zum Mäusebunker liegt nicht in unserer Hand“, so die Überschrift eines Blogbeitrags. In Moabit ist die Architekturszene dagegen weit davon entfernt, Massen managen zu müssen. Dankbar wäre sie wohl, es zu dürfen. Das Jugendzentrum vermag allerdings nicht mit der nötigen visuellen Schärfe aufzuwarten. Selbst Gabi Dolff-Bonekämper, Professorin für Denkmalpflege an der TU Berlin, habe das Gebäude jahrelang nie gesehen, obwohl sie regelmäßig daran vorbeigekommen sei, berichtet sie selbst auf einem Symposium. In Zukunft wird sie hier einen Wohnungsbau vorfinden. Denn Wohnen ist das Argument der Stunde in Berlin, gibt auch Nikolaus Bernau beipflichtend zu. Man könnte auch sagen, es stehen wieder Notstandsarbeiten an.