Der Architekt Rem Koolhaas begann erst spät mit dem Bauen. Doch die Werke des Niederländers, sei es die Botschaft seines Landes in Berlin oder die öffentliche Bücherei in Seattle, finden international großen Anklang. Das Porträt zeigt die Etappen des Schaffens von Rem Koolhaas, dem es bei seinen Bauten wie in seinen Büchern um Provokation und Spannung geht.
Kaum ein Architekt hat in den letzten Jahren auch außerhalb der Architekturszene für so viel Aufsehen gesorgt wie der Niederländer Rem Koolhaas. Das liegt nicht allein an seinen innovativen Bauten. Die niederländische Botschaft in Berlin, die Seattle Library und das Konzerthaus Casa da Musica in Porto belegen auf eindrucksvolle Weise, dass Architektur auch jenseits postmoderner Spielereien noch etwas zu sagen hat. Doch der Architekt Koolhaas, der die Architektur nach eigenen Angaben verabscheut und sich selbst als Schriftsteller begreift, hat erst sehr spät mit dem Bauen begonnen. Berühmt wurde er denn auch nicht durch seine Gebäude, sondern durch sein Buch „Delirious New York“, ein „retro-aktives Manifest“, das New York als verwirklichte soziale Utopie feiert und eigenwillige Visionen neben präzise Analysen stellt. Dass er nun als Ikone der Baukunst gefeiert wird, erweist sich als merkwürdige Ironie der Geschichte, ging es dem Harvard-Professor und Träger des renommierten Pritzker-Preises doch nie um das einzelne „Masterpiece“, sondern stets darum, zu provozieren und Spannung zu erzeugen: sei es mit Hilfe von Gebäuden, sei es mit Hilfe von Büchern oder anderen, eigentlich architekturfremden Tätigkeiten.
Das filmische Porträt ist ein erster umfassender Versuch, Koolhaas als Menschen und Architekten in den Blick zu nehmen. Es orientiert sich formal an der typischen Koolhaas-Ästhetik, jenem bunten, verwirrenden Mix aus Porno, Pop und Politik, der nicht nur seine Bücher und Ausstellungen, sondern auch seine Bauten auszeichnet. Neben seinen Gebäuden sind zahlreiche Computer- und Stoptrick-Animationen zu sehen, die zentrale Gedanken seines Schaffens illustrieren. Hinzu kommen Ausschnitte aus seinen Filmen. Der amerikanische Architekt und Koolhaas-Partner Joshua Ramus rezitiert Passagen aus Koolhaas‘ Büchern. Freunde und Weggefährten des Architekten – wie der amerikanische Star-Architekt Richard Meier, der „Designer-Engineer“ Cecil Balmond und der Architektur-Experte Holger Liebs – geben Auskunft über das Eigentümliche des Koolhaas’schen Schaffens. Im Gespräch mit dem Systemtheoretiker Dirk Baecker schließlich steht Koolhaas selbst Rede und Antwort.
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1209252,day=5,week=45,year=2010.html
