Ideenhaushalt, Aufbau und Diskurs der zweiten 
sozialistischen Stadt der DDR

von Felix Richter

Experiment und Vision, Avantgarde und Alltag, Musterstadt und heute ein Stück vergessene Ostmoderne – Hoyerswerda verkörpert vieles. Wirklich spannend wird es, wenn man die Ambivalenz betrachtet, mit der die Stadt stets wahrgenommen wurde. „Ich kann mich wirklich für H. begeistern – aber zu Hause werde ich mich hier nie fühlen … Wenn es Abend wird, ist H. am romantischsten mit den vielen erleuchteten Fenstern und den Lampen in den breiten Straßen“, schrieb Brigitte Reimann über ihre Wahlheimat. Ähnlich zwiegespalten blickte auch Gerhard Gundermann auf die Entwicklung der neuen Stadt an der Seite des Kombinats Schwarze Pumpe: „Hoy Woy, Dir sind wir treu, du blasse Blume auf Sand, heiß, laut, staubig und verbaut, du schönste Stadt hier im Land“.

Hoyerswerda Haus am KnieQuelle: Peter Biernath

Mit Feinsinn, analytischer Tiefenschärfe und dem Blick für Architektur, Kunst und Alltagsleben spürt Felix Richter den großen Linien und Brüchen ebenso wie den kleinen Details und Zwischentönen in der sozialistischen Stadtgeschichte Hoyerswerdas nach. Damit eröffnet die Publikation neue Blicke – auf Hoyerswerda, auf einen überraschend öffentlich geführten medialen Diskurs um Anspruch und Wirklichkeit des Stadtaufbaus und nicht zuletzt auf den gesellschaftlichen Wandel von einer radikalen zu einer reflexiven Moderne in der DDR.

Hoyerswerda. Ein bislang fast übersehenes Stück Architekturmoderne. Entdeckenswert und lesenswert.

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Das Neue Hoyerswerda
von Felix Richter
368 Seiten
15,5 x 23 cm
110 Fotografien, Pläne und Entwürfe
Satz und Gestaltung: punktgrau.de
ISBN: 978-3982-0586-1-0
Urbanophil 01/2020
32 €