Texte zu Architektur, Stadt und Buch. Ausgewählt, neu übersetzt und kommentiert von Matthias Noell
Alle reden von Abriss. Einige, immer mehr, kämpfen gegen Abriss. Victor Hugo schrieb bereits in den 1820er Jahren gegen Abriss an, als er die „Die Schwarzen Banden“ durch Frankreich ziehen sah, kapitalistische Banden, die in der Folge der Französischen Revolution Burgen, Abteien und Schlösser für wenig Geld kauften, um sie teilweise und auch vollständig abzubrechen, das Land, die Einzelteile oder das Baumaterial zu verkaufen.
Architekturtheorie und der Erhalt historischer Bauten sowie historischer Bauzustände beschäftigten den Schriftsteller danach sein Leben lang. Sein wohl bekanntester Roman, „Notre Dame de Paris“, ist nicht eigentlich die Geschichte des Glöckners, wie es in der deutschen Übersetzung überbetont wird – es ist die Geschichte der Architektur dieses Bauwerks. Nie zuvor waren auf diese Art eine Stadt und ein Gebäude als Protagonistinnen eines Romans aufgetreten wie in „Notre Dame“. Und so bildete sein Roman einen der Hintergründe dafür, dass die Kathedrale als einer der bedeutensten Erinnerungsorte Frankreichs gilt.
In Deutschland ist kaum bekannt, dass Victor Hugo Architekturaktivist, Abrissgegner und maßgeblicher Denker der Architektur- und Denkmaltheorie des 19. Jahrhunderts war. Seine Schriften gegen Abriss, über das Verhältnis von Architektur und Natur, seine Begriffsbildung vom Gesamtkunstwerk, sein Verständnis vom Gebauten als historischem Zeugnis und daran anknüpfend seine medientheoretische Auseinandersetzung mit der – von ihm empfundenen – Ablösung der Architektur als beredtem, dauerhaftem Archiv durch das vergängliche Buch sind überraschend und von ungeheurer Aktualität. Und sie sind hochspannend, bissig, intelligent und humorvoll zu lesen.
Die frische Sprache der Texte ist nicht zuletzt den neuen Übersetzungen von Matthias Noell zu verdanken, der Hugos Texte zu Architektur, Stadt und Buch für „Victor Hugo. Krieg den Zerstörern“ ausgewählt hat und diese damit erstmals in deutscher Sprache gesammelt und kommentiert zugänglich macht. Entstanden ist ein Lesebuch, das nicht nur beim nächsten Parisurlaub auf dem Turm von Notre Dame aus der Tasche gezaubert werden sollte, um von Hugo zu hören, wie Paris von dort oben im Mittelalter ausgesehen habe. Es sollte auch dabei sein, um treffend formulierte Argumente vorzubringen, wenn heute mal wieder vorschnell über den Abriss eines Gebäudes verhandelt wird.

Victor Hugo. Krieg den Zerstörern.
Texte zu Architektur, Stadt und Buch. Ausgewählt, neu übersetzt und kommentiert von Matthias Noell
Broschur mit Klappen, Siebdruck auf dem Cover, grüner Faden
212 Seiten
12 x 19 cm
Satz und Gestaltung: Irene Szankowsky & Bureau Punktgrau
ISBN 978-3-9828372-0-8
Urbanophil 07/2026






