Blog

Offener Brief Neubesetzung Senatsbaudirektion Berlin Lüscher 2021

Vakant: Die höchste Position in der Berliner Stadtentwicklung

Im Sommer gab Regula Lüscher nach 14 Jahren ihr Amt als Berliner Senatsbaudirektorin auf. Die Gründung des Baukollegiums – einem Gremium von Architekt:innen und Bauexpert:innen, vor dem Investor:innen und ihre Baumeister:innen ihre Pläne vorstellen sollen –, die Öffnung des Tempelhofer Feldes, die Urban Tech Republic auf dem Gelände des TXL, die Sanierung der Staatsoper unter den Linden, die Bebauung rund um den Hauptbahnhof, die Erneuerung des Planwerks Innenstadt, aber auch die abgesagte IBA Berlin 2020 und so einige nicht unumstrittene Hochhausprojekte gehörten zu ihren Projekten für Berlin. Regula Lüscher hatte, wie ihre Amtsvorgänger Hans Stimmann oder Werner Düttmann, ihre gänzlich...
Adventskalender Franke Türchen 13 Tesla Erkner

#13 Metropolregion (13. Bezirk). Entfesselte Riesen

King Kong und Godzilla liften die Stromautos in die nächste Etage. Die Roboter liefern im Oktober auf einem Volksfest eine Show. Vorläufig zum Schein sind sie aktiv auf der Produktionsstrecke in den 700 Meter langen Hallen der einzigartigen, Zukunft versprechenden, ohne Baugenehmigung errichteten, umstrittenen und umjubelten Grünheider Gigafactory 4 von Elon Musk. Der noch an die Erde gefesselte Geldriese lädt tausende Berlin-Brandenburger auf seine Ex-Baustelle ein (der Bau ist ja fast fertig), wo er, wie im April angekündigt, zusätzlich eine Batteriefabrik in den Sand setzen will. Ist Musk der Messias, der des Propheten Kohl Landschaften endlich zum Blühen bringt? Mit...
Adventskalender 2021 Türchen 12 Reinickendorf Flughafen Tegel TXL Zukunft

#12 Reinickendorf. Nach dem Takeoff kommen die Trümpfe

Ausgerechnet an einem Dienstag endete der zuletzt nicht enden wollende Dienst des treuesten der Berliner Flughäfen. Seit dem 5. Mai, dem Mittwoch, der auf diese dunkelste aller Berliner Mitternächte folgte, liegt der TXL Tegel in der Waagschale der großen Berliner Städtebauprojekte. Ab jetzt spielt der Bezirk Reinickendorf seine fetten Trümpfe aus. Was jetzt kommt, vermag die Airport-Historie locker aufzuwiegen: Mit der Beuth-Hochschule kommen die Studierenden, mit dem Industriepark kommt die Urban Tech Republic, und mit dem Schumacher-Quartier kommen sogar die Bäume. Ja, Bäume! Und zwar nur solche, die aus einer Entfernung von maximal 200 Kilometern herantransportiert werden dürfen. Sie sollen...
Adventskalender 2021 Franke Spandau Siemenstadt

#11 Spandau. Campus “zum Quadrat”

Hinterm Horizont ist die Siemensstadt in der Siemensstadt gebaut. Der Weg dorthin ist lang, und die Entwicklung der 70 Hektar Fläche und 600 Millionen Euro Investitionen bis zum Jahr 2030 führt über zehn Meilensteine. Nachdem im letzten Jahr der Masterplan vorgestellt wurde und 2022 mit dem Umbau der Versandhalle des Dynamowerks der Bau beginnt, hat sich das Industrieunternehmen im März dieses Jahres zunächst einmal einen scheinbar gemütlichen Zahlendreher geleistet. Der Innovationscampus Siemensstadt 2.0 heißt jetzt Siemensstadt2 („hoch zwei“ oder „zum Quadrat“). Ausgesprochen „Siemensstadt Square“, spielt der aufpolierte Zusatz auf den nördlich der Spandauer Nonnendammallee geplanten Stadtplatz an. Das Werksgelände in...
Adventskalender 2021 Türchen 10 Charlottenburg A100 Heizkraftwerk Wilmersdorf

#10 Charlottenburg-Wilmersdorf. Verpuffende Schornsteine

Abgeschaltet im April, um einen Schornstein beraubt seit dem Sommer, löst sich im Südwesten an der Stadtautobahn ein Stadtbild auf, das seit 1977 die weite Gegend prägt. Das Heizkraftwerk Wilmersdorf war wichtig. Nicht nur, weil es in 11.830 Betriebsstarts (Berliner Morgenpost) die Berliner mit Strom und Wärme versorgte. Das Bauwerk strukturierte die Strecke, war ein Meilenstein der autogerechten Stadt – und schnell an der Schulter vorübergezogen. Wer heute von Block 1 (der nun abgerissene Schornstein) bis Block 3 (Schornsteinabriss läuft aktuell) mehr als eine halbe Stunde Fahrzeit benötigt, der steht im Stau und sei daran erinnert, dass die guten alten...
Steglitz Autobahn A100 Abzweig Schlangenbader Straße

#9 Steglitz-Zehlendorf. Krachender Abzweig

Es ist ganz natürlich, dass große Bäume im Laufe ihres Lebens hin und wieder einen Ast fallen lassen. Manchmal wird er ihm auch rabiat genommen, wenn zum Beispiel der Blitz einschlägt. Dann hat der Baum Glück gehabt, wenn sein Stamm noch steht. Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin zielt im Juni auf den drei Kilometer langen „Abzweig Steglitz“ und entlässt seine Ladung in Form eines publizierten Städtebauentwurfs. Er sieht vor, die Ex-Autobahn A104, die am Wilmersdorfer Hohenzollerndamm beginnt und hinterm Steglitzer Breitenbachplatz in die Schildhornstraße mündet, komplett abzureißen. Seit 2006 ist die Strecke zur Stadtstraße degradiert und existiert als halbtoter...
Adventskalender Türchen 8 Schöneberg Urania Umzug Regierungsviertel

#8 Tempelhof-Schöneberg. Der Mut der Erbse

Die Urania ist eine neben den Tellerrand gefallene Erbse. Weder liegt sie am Tauentzien, noch gehört sie einem der Kieze Schönebergs an. Schlimmer noch, die Volksbildungsstätte schrumpelt vor sich hin, ist in die Jahre gekommen und aus der Mode. Mit 42 Millionen Euro hilft der Bund, die Urania für die junge Generation attraktiver zu machen und den jetzigen Standort an der Kleiststraße zu erweitern. Mehr noch, er verleiht der Urania Flügel: Das Haus möchte umziehen, berichtet die Berliner Morgenpost im Januar. Die Erbse springt, so sieht´s aus, auf den Teller zurück. Genauer: Sie will sogar auf einem anderen Tisch unterkommen....
Adventskalender 2021 Friedrichshain-Kreuzberg

#7 Friedrichshain-Kreuzberg. Sternstunden in der Südlichen Friedrichstadt

Um die Defizite des Stadtquartiers am Mehringplatz von A bis Z aufzusammeln, genügt die Lektüre eines einzigen Presseberichts. Die Liste urbaner Unvollkommenheiten liest sich wie ein Versagen, das nicht aufzuhalten ist: Arbeitslosigkeit, Baustellen, Dealer, Kinderarmut, Ratten, Schimmel, Transferabhängigkeit, Überfälle. Über Kreuzbergs „offene Wunde“ (Berliner Morgenpost, 23. Februar) zieht von März bis August aber auch ein Stern hinweg, den die Fachwelt ins Visier zu nehmen weiß. Zum hundertsten Geburtstag des Architekten, Stadtplaners und Ex-Senatsbaudirektors Werner Düttmann (1921–1983) veranstalten das Brücke-Museum aus Berlin-Dahlem (ein Bau Düttmanns) und die Zeitschrift ARCH+ Stadtspaziergänge, die quer durch die südliche Friedrichstadt verlaufen. Hüfthohe Großtafeln mit Infos...
Adventskalender Türchen 6 Neukölln Estrel Hochhaus

#6 Neukölln. Das Tor der treuen Seelen

Dem Namen nach dürften die Kleingartenkolonien „Treue Seele“ und „Freiheit“ das Hochhaus begrüßen. Denn der neue „Estrel-Tower“ ist ja mit Ekkehard (81) und Maxim (30) Streletzki ein generationsübergreifendes Familienprojekt. Mit angepeilten 176 Metern Höhe genießt der Entwurf der Architekten Barkow/Leibinger zudem eine Freiheit oder besser gesagt, einen Segen, der bisher keinem Gebäude in Berlin erteilt wurde. Der Langhof-Tower auf dem Hardenbergplatz (209 Meter) ist eine Vision geblieben, und die Kollhoff-Plan-Türme vom Alexanderplatz wurden von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher von 150 Metern auf 130 Meter gestutzt. An der Sonnenallee in Neukölln stutzt niemand. Die Lage verdient das Hochhaus, ein Tor des Südostens,...
Adventskalender 2021 Türchen 5 Treptow Eierschale Spreepark Plänterwald

#5 Treptow-Köpenick. Demontage eines Stadtbilds

Zum ersten Mal war der „Spuk unterm Riesenrad“ vorbei, als 1990 die DDR unterging und mit ihr die gleichnamige Kinderfilmproduktion. Mit der Pleite des Spreeparkbetreibers Norbert Witte vor 20 Jahren schien der Spuk ein zweites Mal zu enden. Leider folgten die Geister dem Schausteller nach Peru und stießen die Wittes in eine grausame Familientragödie, sie ist im Dokumentarfilm „Achterbahn“ dargestellt. Anfang des Jahres nun fegt die Grün Berlin GmbH den Spuk unterm Riesenrad ein drittes Mal hinweg, indem sie das ganze Riesenrad entfernt. Ein Stadtbild ist verschwunden, das es seit 1969 gab. Ernüchternd ist der Blick von der Elsenbrücke in...